
(Wie) kann psychologische Forschung die normative Theorie bereichern?
Dieses Projekt untersucht, wie empirische Forschungsergebnisse aus der Psychologie und verwandten Disziplinen sinnvoll in normative Argumente einfließen können. Nicht zuletzt mittels eingehender Analyse von konkreten Beispielen aus der Straftheorie identifiziert Rehren wiederkehrende inferentielle Herausforderungen bei der Interpretation von Daten und untersucht, inwieweit es empirisch fundierten Arbeiten in der normativen Theorie bisher gelungen ist, diese zu bewältigen.
Empirische Befunde in der normativen Theorie
In den letzten Jahrzehnten haben sich Moralphilosophen zunehmend auf Forschung aus der Psychologie und verwandten Disziplinen bezogen. Diese an sich zu begrüßende Entwicklung birgt allerdings einige methodische Herausforderungen. Aus empirischen Erkenntnissen lassen sich nicht ohne Weiteres philosophische Schlüsse ziehen. Um von quantitativen Daten zu qualitativen, normativen Aussagen zu gelangen, sind zusätzliche Annahmen zu treffen und Rückschlüsse zu ziehen, die in ihren Details oft ungeklärt und unbegründet bleiben.
Fallstudie: Philosophie der Strafe
Das Projekt verbindet allgemeine methodologische Überlegungen mit konkreten „Fallstudien“. Ein besonders reichhaltiges Feld für die Erforschung der Frage, wie genau empirische Befunde herangezogen werden, bietet die Philosophie der Strafe: Im Vergleich zu anderen Bereichen der normativen Theorie nehmen Debatten über Bestrafung oft explizit Bezug auf soziale Praxis und institutionelle Reformen. Infolgedessen stützen sie sich zur Untermauerung normativer Schlussfolgerungen häufig auf Aussagen darüber, was Menschen denken, was sie fühlen und wie sie sich verhalten – Annahmen, die oft mit empirischen Studien belegt werden.
Viele empirisch fundierte normative Argumente scheitern
Auf dieser Grundlage wird eine Bestandsaufnahme wiederkehrender inferentieller Herausforderungen in der empirisch fundierten normativen Theorie unternommen, wobei insbesondere drei kritische Punkte fokussiert werden: Konstruktvalidität, Verallgemeinerbarkeit und minimale Effektgröße. Ausgehend von der Annahme, dass methodische Defizite die Plausibilität vieler empirisch begründeter normativer Argumente gefährden, sucht Rehren die Dimensionen des Problems vor dem Hintergrund der Art von Fragen, die Philosophen stellen, und des aktuellen Stands der psychologischen Forschung abzuschätzen. Zugleich werden Wege aufgezeigt, wie der Einsatz empirischer Evidenz in der normativen Theoriebildung verbessert werden kann.
| Forschungsergebnis: | Wissenschaftliche Artikel; Konferenzbeiträge |
|---|---|
| Forschungsschwerpunkt: | I. Grundlagen |
| Projektsprache: | Englisch |
| Bild: | © iStock.com/Asergieiev |










