
EPIC: Elemente der Persönlichkeits- und Identitätsveränderung
Längsschnittliche, multiperspektivische Studie zu moralischer Persönlichkeit, Selbstkonzept und Reputation
Hintergrund
Persönlichkeitsmerkmale, Selbstkonzept und Identität prägen, wie Menschen über sich selbst denken, wie sie von anderen wahrgenommen werden und wie sie sich im Alltag verhalten. Im moralischen Bereich bestimmen diese Aspekte, ob Menschen ehrlich, fair und kooperativ handeln – oder sich unethisch verhalten. Viele Studien zum moralischen Charakter bleiben jedoch eng gefasst und stützen sich in erster Linie auf Selbstberichte zu einem bestimmten Zeitpunkt, anstatt individuelle Unterschiede umfassender zu betrachten.
Das EPIC-Projekt verfolgt einen breiteren und dynamischeren Ansatz. Es zielt darauf ab, den moralischen Charakter aus einer 360-Grad-Perspektive zu erfassen, indem es Selbstauskünfte zu verschiedenen Persönlichkeitsmerkmalen sowie zu Aspekten von Selbstkonzept und Identität mit Einschätzungen nahestehender Personen und Verhaltensmessungen verbindet und Personen über einen längeren Zeitraum begleitet. So möchte EPIC verstehen, wie Selbstbild und Fremdbild sich gestalten, wo sie übereinstimmen und wo sie voneinander abweichen.
Projektziele und Forschungsfragen
Das Projekt befasst sich mit folgenden zentralen Fragen:
- Wie stabil oder veränderbar sind moralische Persönlichkeitsmerkmale sowie Aspekte von Selbstkonzept und Identität im Zeitverlauf?
- Wie tragen Veränderungsziele, wahrgenommene Barrieren, die einer Veränderung im Wege stehen, und Lebensereignisse zur Stabilität und Veränderung des moralischen Charakters bei?
- Wie genau werden diese Merkmale wahrgenommen, und inwieweit stimmen Selbst- und Fremdwahrnehmung überein?
- Inwiefern hängen verschiedene Aspekte des moralischen Charakters mit prosozialem und unehrlichem Verhalten zusammen?
- Inwiefern hängen Aspekte des moralischen Charakters mit Wohlbefinden und Beziehungszufriedenheit zusammen?
Methodik
Das Projekt verfolgt einen längsschnittlichen, multimethodischen Ansatz und begleitet mehrere hundert Teilnehmende über mehrere Jahre. Die Teilnehmenden werden als Dyaden rekrutiert: Jede Zielperson bringt eine nahestehende Person (Freund/in oder Partner/in) als Informantin/Informanten mit. So kann neben der Selbstwahrnehmung auch die Fremdwahrnehmung erfasst werden. Die Datenerhebung kombiniert Selbstauskunftsbefragungen, Informantenberichte und Verhaltensparadigmen zur Erfassung prosozialen und unehrlichen Verhaltens. Moderne Analysetechniken – darunter Modellierung latenter Variablen, Längsschnittmodelle sowie der unterstützende Einsatz von Large Language Models – werden angewendet, um Stabilität, Veränderung und die komplexen Zusammenhänge zwischen den erhobenen Variablen zu untersuchen.
Erwarteter Nutzen
Aus der Längsschnittperspektive untersucht EPIC, wie sich moralbezogene Merkmale, Selbstkonzept und soziale Reputation über die Zeit entwickeln und das moralische Verhalten beeinflussen. Damit leistet das Projekt einen Beitrag zur Theorieentwicklung in der Persönlichkeits-, Sozial- und Moralpsychologie. Darüber hinaus beleuchtet EPIC durch die explizite Einbeziehung von Veränderungszielen, wahrgenommenen Hürden zur Verhaltensänderung und Lebensereignissen Prozesse, die die Stabilität und Veränderung des moralischen Charakters beeinflussen.
Aus methodischer Sicht verdeutlicht EPIC den Wert längsschnittlicher dyadischer Forschungsdesigns und moderner Analyseverfahren für die Untersuchung der Persönlichkeitsentwicklung. Die Ergebnisse liefern Orientierung für künftige Forschung zu Persönlichkeitsveränderung, moralischem Verhalten und Wohlbefinden.
| Forschungsergebnisse: | wissenschaftliche Publikationen, Konferenzbeiträge, longitudinaler Datensatz |
|---|---|
| Projektsprache: | Englisch |
| Bild: | © iStock.com/Kirill_Savenko |










