Juristische Hermeneutik und Metaethik

Juristische Hermeneutik und Metaethik 

Metaethische Beiträge zur rechtlichen Unbestimmtheitsdebatte

Das interdisziplinäre rechtsphilosophische Projekt untersucht die Relevanz und den Einfluss der Metaethik auf die rechtsmethodologische Debatte über die rechtliche Unbestimmtheit. Das erste Kapitel (A.) behandelt das weitge­hend akzeptierte Argument, dass mindestens in den sogenannten „hard cases“, in denen die Rechtsanwendung höchst umstritten ist, das Recht unbestimmt sei. Prominente Rechtsphilosophen der Gegenwart bestreiten jedoch die rechtliche Unbestimmtheit in den „hard cases“, indem sie behaupten, dass eine Verbindung von Recht und Moral letztlich jeweils einzig richtige Antworten liefern kann. Nach diesem Verständnis bildet die moralische Objektivität eine notwendige und hinreichende Bedingung für die These von der einzig richtigen Antwort ab, was das Interesse der Rechtswissenschaft an der Metaethik – die Disziplin, die die Moral selbst zum Untersuchungs­gegen­stand hat –, weckt. Das zweite Kapitel (B.) bietet einen Überblick über den metaethischen Zustand. Auf der einen Seite hält der moralische Skeptizismus moralische Urteile bestenfalls für bloß subjektive Einstellungen oder gesellschaftliche Vereinbarungen, was die These von der einzig rich­ti­gen Antwort von vornherein untergräbt; auf der anderen Seite geht der moralische Objektivismus davon aus, dass moralische Urteile wahrheitsfähig und un­ab­hän­gig von bloß subjektiven Einstellungen oder gesellschaftlichen Vereinbarungen sind, was theoretisch die The­se von der einzig richtigen Antwort bestätigt. Im Gegensatz zu den beiden metaethischen Positionen wird im drit­ten Kapitel behauptet (C.), dass der moralische Objektivismus, selbst wenn er auf der metaethischen Ebene erfolgreich ist, aus zwei Hauptgründen dennoch keine hinreichende Bedingung für die These von der einzig rich­tigen Antwort ist: (i) der moralischen Optionalität, da rechtliche „hard cases“ in den Bereich moralischer Bedeu­tungs­losig­keit bzw. moralischer Erlaubnis fallen können; (ii) der moralischen Unbestimmtheit, die sowohl epistemische (Unterbestimmtheit und Überbestimmtheit) als auch substantielle (Unvergleichbarkeit und In­kom­men­sura­bi­lität) Schwierigkeiten umfasst. Es ist das Hauptziel dieses Projekts, das zwei unterschiedliche Wis­sens­gebiete – die Rechtswissenschaft und die Moralphilosophie – miteinander verknüpft, die methodische Plausibilität der These von der einzig rich­ti­gen Antwort zu untersuchen, indem beantwortet wird, inwieweit sich die moralische Objektivität auf die Debatte über die rechtliche Unbestimmtheit auswirkt. Zu den inhaltlichen Ergebnissen gehören auch zusätzliche Erkenntnisse, die zeigen, inwieweit die Metaethik rechtsmethodologische Fragen weiterbringt und damit zu einer analytischen Rekonstruktion der juristischen Hermeneutik beitragen kann.

 

Forschungsergebnis: Dissertation an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg (2020–2022)
Forschungsschwerpunkt: 1. Grundlagen: Rechtstheoretische Fragen und dogmatische Strukturen
Projektsprache: Deutsch
Grafik: © Rafael Giorgio Dalla Barba

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