Bunte Figuren sind als Symbol der Inklusivität von einfarbigen Holzfiguren umgeben. (Eine Gruppe bunter Spielfiguren steht in der Mitte, umgeben von beigen Figuren auf einem blauen Untergrund, die einen Kreis bilden.)

Die Psychologie der selektiven Prosozialität

Wem Menschen helfen, wann und warum

Hintergrund
Prosoziales Verhalten ist für das gesellschaftliche Wohlergehen von entscheidender Bedeutung. Dennoch helfen Menschen oft selektiv. Sie bevorzugen bestimmte Empfänger – bei Alltagsgesten, aber auch bei großen Entscheidungen wie beispielsweise Spenden nach einer Naturkatastrophe. Eine solche Selektivität kann Fairness und eine wirkungsvolle Ressourcenverteilung fördern, aber auch Ausgrenzung, Diskriminierung und soziale Konflikte begünstigen.

Trotz ihrer Verbreitung und gesellschaftlichen Relevanz ist selektive Prosozialität noch immer unzureichend erforscht. Statt der Frage „Wer bekommt Hilfe?“ stand bei bisherigen Studien oft „Wird überhaupt geholfen?“ im Fokus. Entsprechend wissen wir wenig über die psychologischen Faktoren, die prosoziales Verhalten in verschiedenen Kontexten selektiv machen, über individuelle Unterschiede und darüber, wann Persönlichkeit selektives Helfen prägt. Erkenntnisse aus unterschiedlichen Disziplinen wurden bislang nicht zusammengeführt, was die Entwicklung eines übergreifenden psychologischen Rahmens erschwert hat.

Dieses Projekt schließt diese Lücken, indem es die verschiedenen Einflussfaktoren auf Hilfeentscheidungen systematisch untersucht.

Projektziele und Forschungsfragen
Das Projekt befasst sich mit folgenden zentralen Fragen:

  1. Welche psychologischen Prozesse liegen selektiver Prosozialität zugrunde, und wie begründen Menschen ihre Entscheidungen zu helfen?
  2. Wie unterscheiden sich Menschen in der Selektivität ihres prosozialen Verhaltens, und wie stabil sind diese Muster über verschiedene Kontexte und Zeitpunkte hinweg?
  3. Wie greifen Persönlichkeitsmerkmale und kontextuelle Faktoren ineinander, um selektive Prosozialität zu beeinflussen?
  4. Unter welchen Bedingungen trägt selektive Prosozialität zu Fairness und einer wirksamen Ressourcenverteilung bei, und wann erzeugt sie Ausgrenzung, Diskriminierung oder Konflikte?

Methodik
Das Projekt verbindet kontrollierte experimentelle Untersuchungen, Messungen in natürlichen Umgebungen und integrative Theorieentwicklung. Um selektive Prosozialität zu messen, verwenden wir Entscheidungsaufgaben, bei denen Teilnehmende reale Ressourcen auf mehrere potenzielle Empfänger verteilen, die sich in relevanten Merkmalen wie Gruppenzugehörigkeit oder Bedürftigkeit unterscheiden. Über alle Methoden hinweg wird selektive Prosozialität quantifiziert, indem untersucht wird, wie stark Individuen ihr Hilfeverhalten je nach Empfänger und Situation variieren. So arbeiten wir systematische Muster heraus, wem Menschen helfen – und wem nicht.

Erwarteter Nutzen
Das Projekt trägt zur Theoriebildung im Kontext prosozialen Verhaltens bei, indem es selektive Prosozialität als zentrales, systematisches Merkmal sozialen Handelns positioniert – statt als Ansammlung isolierter Phänomene. Es verbindet Erkenntnisse aus Psychologie, Verhaltensökonomie und angrenzenden Disziplinen und schafft vor dem Hintergrund unzusammenhängender Literatur einen übergreifenden psychologischen Rahmen für das Verständnis selektiver Prosozialität. Auf diese Weise verdeutlicht das Projekt die vielfältigen Formen und Funktionen selektiver Prosozialität und die ihnen zugrunde liegenden psychologischen Prozesse. Es bietet eine Grundlage für die Unterscheidung zwischen Selektivität, die Fairness und wirksame Hilfe fördert, und Selektivität, die zu Ausgrenzung, Diskriminierung oder Konflikten beiträgt.

 

Forschungsergebnisse: eine Dissertation, wissenschaftliche Publikationen, Konferenzbeiträge
Projektsprache: Englisch
Bild:© iStock.com/designer491

 

Publikationen

Yelbuz, B. E., & Thielmann, I. (2025). The dispositional basis of selective prosociality. Journal of Personality and Social Psychology. doi:10.1037/pspp0000583
Yelbuz, B. E., & Thielmann, I. (2024). Who helps whom in times of crisis? An investigation of actual donations to two groups of earthquake victims. Journal of Research in Personality, 104476. doi:10.1016/j.jrp.2024.104476

Zeitungsartikel


 

Weitere interessante Beiträge

Zur Redakteursansicht