Personality, Identity, and Crime – Unabhängige Forschungsgruppe

Personality, Identity, and Crime

Unabhängige Forschungsgruppe

Die Forschungsgruppe „Personality, Identity, and Crime“ befasst sich mit interindividuellen Unterschieden in (un-)ethi­schem und prosozialem vs. antisozialem Verhalten. Bisherige Forschung zeigt eindrücklich, dass Men­schen sich in ihrem Moralverständnis, ihrer moralischen Identität und ihrem tatsächlichen Moralverhalten unter­schei­den. In unserer Forschung bedienen wir uns vielfältiger innovativer Methoden, um ein besseres Verständnis des Zusammenspiels zwischen Selbstwahrnehmung, Fremdwahrnehmung, Identität und Verhalten im Kontext von (un-)moralischem – einschließlich kriminellem Verhalten – zu erlangen. Unsere Forschung widmet sich dabei v.a. den Fragen, wie bzw. welche Persönlichkeitseigenschaften diese Unterschiede zwischen Individuen erklären kön­nen und welche Konsequenzen diese Unterschiede für zukünftiges Verhalten und die Persönlichkeitsentwicklung haben. Langfristig zielt unsere Forschung darauf ab, die Theorieentwicklung in Psychologie und Kriminologie vo­r­an­zutreiben und weitere Brücken zwischen diesen beiden Forschungstraditionen zu schlagen.

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Forschungsthemen

Selbsterkenntnis und der Wille, sich zu verändern

Der Wille, sich selbst zu verändern, ist eine wichtige Voraussetzung für die (volitionale) Persönlichkeitsveränderung. Gerade wenn es um Persönlichkeitseigenschaften geht, die moralische Verhaltensweisen begünstigen, sehen Menschen jedoch selten eine Veranlassung dazu, sich zum Positiven zu verändern, d. h. moralischer werden zu wollen. Grund dafür ist, dass die meisten Menschen ein übertrieben positives Selbstbild im Hinblick auf ihr Moralverhalten haben, sich also als relativ moralisch im Vergleich zu anderen einschätzen, obwohl sie sich nicht immer unbedingt moralisch verhalten. In unserer Forschung untersuchen wir, ob – und wenn ja, wie – gezielte Interventionen zur Förderung der Selbst­erkennt­nis zur eigenen Moralität dazu genutzt werden können, Menschen dazu zu bewegen, ihr Moralverhalten zum Positiven zu verändern. Unsere bisherigen Forschungsergebnisse zeigen, dass Feedback über die eigene Moralität ein nützliches Mittel sein kann, um Menschen zu motivieren, sich in Zukunft moralischer zu verhalten. Aufbauend auf diesen Er­geb­nissen untersuchen wir verschiedene Methoden zur Steigerung der Selbsterkenntnis sowie deren Wirkung auf tat­säch­liches Moralverhalten und die Persönlichkeitsentwicklung.

Schlüsselpublikationen

Casali, N., Metselaar, C., & Thielmann, I. (2024). Personality feedback as an intervention to encourage positive changes on moral traits. Identity. doi:10.1080/15283488.2024.2340488
Thielmann, I., & De Vries, R. E. (2021). Who wants to change and how? On the trait-specificity of personality change goals. Journal of Personality and Social Psychology, 121(5), 1112–1139. doi:10.1037/pspp0000304

Persönlichkeit und prosoziales Verhalten

Prosoziale Verhaltensweisen wie Fairness, Kooperation und Vertrauenswürdigkeit gehören zu den wohl wichtigsten Bau­steinen harmonischer sozialer Beziehungen sowie einer gut funktionierenden Gesellschaft. Allerdings ist prosoziales Verhalten oft mit (kurzfristigen) individuellen Kosten verbunden, z. B. dem Investieren von Zeit und/oder Geld. So ist es wenig verwunderlich, dass sich starke interindividuelle Unterschiede in Bezug auf die Tendenz, prosozial zu handeln, zeigen: Während manche Menschen bereitwillig Kosten in Kauf nehmen, um anderen etwas Gutes zu tun, sind andere Menschen primär auf die eigene Nutzenmaximierung aus und schrecken nicht vor Ausbeutung anderer zurück. Mit un­se­rer Forschung möchten wir einen Beitrag dazu leisten, solche interindividuellen Unterschiede in prosozialem Verhal­ten besser zu verstehen. Wir befassen uns vor allem mit dem Zusammenspiel von verschiedenen Persönlichkeitseigen­schaf­ten und Merkmalen von Situationen, in denen prosoziales Verhalten gezeigt werden kann.

Schlüsselpublikationen

Popov, N., & Thielmann, I. (2024). The core tendencies underlying prosocial behavior: Testing a person-situation framework. Journal of Personality. doi:10.1111/jopy.12957
Thielmann, I., Hilbig, B. E., & Zettler, I. (2022). The dispositional basis of human prosociality. Current Opinion in Psychology, 43, 289–294. doi:10.1016/j.copsyc.2021.08.009
Thielmann, I., Spadaro, G., & Balliet, D. (2020). Personality and prosocial behavior: A theoretical framework and meta-analysis. Psychological Bulletin, 146(1), 30–90. doi:10.1037/bul0000217

Drittmittelprojekt

csl.mpg.de/projekte/persoenlichkeit-und-prosoziales-verhalten

Kriminalität und Persönlichkeit

Die bisherige psychologische und kriminologische Forschung hat kriminelles Verhalten bereits häufiger mit bestimmten Per­sön­lich­keitseigenschaften in Zusammenhang gebracht. Allerdings bleiben die Befunde weitestgehend heterogen und unsystematisch und es mangelt an einem umfassenderen theoretischen Verständnis im Hinblick darauf, welche Per­sön­lich­keitseigenschaften mit welcher Art krimi­nel­len Verhaltens zusammenhängen – und warum. Diese Lücke möchten wir mit unserer Forschung schließen. Ziel ist es, ein theoretisches Rahmenmodell zum Zu­sam­menhang zwischen kri­mi­nel­lem Verhalten und Persönlichkeit vorzuschlagen und dieses anhand vielfältiger Methoden empirisch zu testen. Das Projekt kann somit wichtige Implikationen sowohl für die (Persönlichkeits-)Psychologie als auch für die Kriminologie bereitstellen.

Schlüsselpublikationen 

Thielmann, I. (2023). (Re)considering personality in criminological research. Crime and Justice, 52(1), 395–445. doi:10.1086/726781

Zusammenhang zwischen Selbstwahrnehmung und Fremdwahrnehmung

Im Alltag kommen wir häufig in Situationen, in denen wir Urteile über die Charaktereigenschaften anderer, oftmals frem­der Personen fällen müssen. Aber worauf genau gründen wir solche Urteile? In unserer Forschung untersuchen wir, wel­chen Einfluss die eigene Persönlichkeit darauf hat, wie wir andere Personen wahrnehmen. Genauer gesagt beschäftigen wir uns mit dem Phänomen der angenommenen Ähnlichkeit, d. h. der Beobachtung, dass Menschen andere Personen als gewissermaßen ähnlich zu sich selbst wahrnehmen. Speziell findet sich angenommene Ähnlichkeit besonders für Eigenschaften, die mit universellen Werten zusammenhängen – und somit auch für Moralität. Unsere Forschung zielt darauf ab, ein besseres Verständnis der Rahmenbedingungen und zugrunde liegenden psychologischen Prozesse an­genommener Ähnlichkeit zu erlangen sowie zu untersuchen, welche Konsequenzen angenommene Ähnlichkeit für ethisches vs. unethisches und kriminelles Verhalten hat.

Schlüsselpublikationen

Thielmann, I., Hilbig, B. E., & Zettler, I. (2020). Seeing me, seeing you: Testing competing accounts of assumed similarity in personality judgments. Journal of Personality and Social Psychology, 118(1), 172–198. doi:10.1037/pspp0000222
Thielmann, I., Rau, R., & Locke, K. D. (2023). Trait-specificity versus global positivity: A critical test of alternative sources of assumed similarity in personality judgments. Journal of Personality and Social Psychology, 124(4), 828–847. doi:10.1037/pspp0000420

Projekte

KNOW-THYSELF: Förderung moralischen Verhal­tens durch das Erhöhen von Selbsterkenntnis

Das Funktionieren von Gesellschaften und die Qualität sozialer Beziehungen hängt stark von moralischen Verhal­tens­weisen, wie Fairness, Kooperation und Ehrlichkeit, ab. Unmoralische Verhaltensweisen, wie Ausbeutung, Un­ehrlichkeit und Betrug, hingegen sind mit enormen gesellschaftlichen Kosten verbunden. Eine seit Langem unge­lös­te Frage in den… mehr

Die zugrundeliegenden Basistendenzen individueller Unterschiede in prosozialem Verhalten

Warum sind manche Menschen hilfsbereit und andere (eher) nicht? Warum bevorzugen man­che Menschen es, zu kooperieren, wohingegen andere keine Skrupel haben, ihr Gegenüber zu ihrem eigenen Vorteil auszunutzen? Das von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderte Projekt „Die zu­grun­de­liegenden Kerntendenzen in­di­vi­dueller Unterschiede… mehr

Individuelle Unterschiede in selektiver Prosozialität

Menschen wählen aus, wem sie helfen und mit wem sie kooperieren möchten. Dies wird durch langjährige For­schung gestützt, die zeigt, dass Menschen die Tendenz haben, bestimmten Individuen oder Gruppen gegenüber eher prosozial zu sein, anderen jedoch nicht. Überraschenderweise gibt es jedoch bis zu die­sem Zeitpunkt keine systematischen… mehr

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