Veranstaltungsarchiv

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Ort: Albert-Ludwigs-Universität Freiburg

Alles eine Frage der Perspektive? – Geschlechterbilder im Jurastudium

Vortrag
Es gilt die 3G-Regel. [mehr]

Beweisstandards, Fehlbarkeit und zweifelsfreie Überzeugungen

Gastvortrag
In ei­nem Lei­t­ur­teil zum Be­weis­maß hat der BGH 1970 aus­ge­führt, dass für die rich­ter­li­che Über­zeu­gung ein »Grad von Ge­wiss­heit« ge­for­dert sei, der un­ter­halb ei­ner »von al­len Zwei­feln frei­en Über­zeu­gung« lie­gen mag, aber über ei­ne bloß »an Si­cher­heit gren­zen­de Wahr­schein­lich­keit« hin­aus­geht. Ers­te­res for­de­re das Be­weis­recht nicht, Letz­te­res rei­che nicht aus (BGHZ 53, 245 ff.). Aus erkennt­nis­theo­re­ti­scher Sicht ist klä­rungs­be­dürf­tig, ob in die­sen en­gen Kor­ri­dor noch ein doxas­ti­scher Zu­stand hin­ein­passt. Im BGH-Ur­teil ist von der »Über­zeu­gung«, der »Wahr­heit ei­ner Behauptung« und dem er­for­der­li­chen »Grad an Ge­wiss­heit«, die Rede, aber der Be­griff des Wis­sens, in dem die­se Ele­men­te zu­sam­men­flie­ßen und auf­ein­an­der be­zo­gen wer­den, wird ver­mie­den. In der Er­kennt­nis­theo­rie ist um­strit­ten, ob die un­auf­heb­ba­re mensch­li­che Fehl­bar­keit mit der An­nah­me zu­sam­men­passt, dass Men­schen Wis­sen er­lan­gen kön­nen. Der Vor­trag skizziert die Grund­zü­ge ei­nes fal­li­bi­lis­ti­schen Wis­sens­be­griffs und ver­gleicht die Her­aus­for­de­rung, einen an­ge­mes­se­nen Kor­ri­dor für das Be­weis­maß zu spe­zi­fi­zie­ren, mit der er­kennt­nis­theo­re­ti­schen Her­aus­for­de­rung, die mensch­li­che Irr­tums­an­fäl­lig­keit mit dem Wis­sens­an­spruch zu ver­ein­ba­ren. [mehr]
Prof. em. Dr. Klaus F. Röhl über den Vor­trag: Die Post­mo­der­ne hat das Den­ken und Ar­gu­men­tie­ren mit Di­cho­to­mi­en in Ver­ruf ge­bracht. Zu­mal die großen Di­cho­to­mi­en von Ob­jekt und Sub­jekt, Kör­per und Geist, Sein und Sol­len sind ihr ob­so­let. In­so­fern hat das The­ma einen epis­te­mo­lo­gi­schen oder, wenn man so will, phi­lo­so­phi­schen Hin­ter­grund. Auf die­sem Hin­ter­grund wuchs ei­ne Kri­tik an Recht und Rechts­wis­sen­schaft und nicht zu­letzt die Ge­sell­schafts­kri­tik des Fe­mi­nis­mus. Das al­les wer­de ich nicht ganz aus­spa­ren. Aber im Vor­der­grund ste­hen die Tra­di­ti­on und der hand­werk­li­che oder tech­no­lo­gi­sche Um­gang mit Ge­gen­be­grif­fen, Di­cho­to­mi­en und Al­ter­na­ti­ven in der Ju­rispru­denz. Auf die­se Ebe­ne bin ich auf­merk­sam ge­wor­den, als ich vor nun­mehr bald 20 Jah­ren nach Mög­lich­kei­ten der Vi­sua­li­sie­rung ju­ris­ti­scher Be­griff­lich­kei­ten such­te. Von dort führ­te der Weg in die sei­ner­zeit noch im Ent­ste­hen be­grif­fe­ne Rechts­di­dak­tik. Er­in­nert wer­den soll aber auch an Jür­gen Rö­digs Buch über »Die Denk­form der Al­ter­na­ti­ve in der Ju­rispru­denz«. Als Sprung­brett zu So­zio­lo­gie und Ge­sell­schafts­kri­tik dient dann der To­pos der Asym­me­trie der Un­ter­schei­dung. Ein prak­ti­sches Bei­spiel bie­tet die Ge­schlech­ter­dif­fe­renz. [mehr]
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