Das strafrechtliche Doppeleheverbot – § 172 StGB im Spannungsverhältnis von Kultur und Strafrecht

Gastvortrag

  • Datum: 27.01.2021
  • Uhrzeit: 18:00 - 19:30
  • Vortragender: Dr. Tom Langerhans (Richter, Berlin)
  • Tom Lan­ger­hans stu­dier­te Rechts­wis­sen­schaf­ten mit dem Schwer­punkt »Grund­la­gen des Rechts« in Ham­burg (Bu­ce­ri­us Law School) und Pa­ris (Sciences Po). An­schlie­ßend pro­mo­vier­te er an der Hum­boldt-Uni­ver­si­tät zu Ber­lin zu ei­nem straf­recht­li­chen The­ma. Sein Re­fe­ren­da­ri­at ab­sol­vier­te er un­ter an­de­rem im Bun­des­mi­nis­te­ri­um der Jus­tiz und für Ver­brau­cher­schutz in der Ab­tei­lung für Grund­rech­te. Nach sei­nem Zwei­ten Staats­exa­men ar­bei­te­te er pro­mo­ti­ons­be­glei­tend als Rechts­an­walt im Be­reich Da­ten, Me­di­en und Tech­no­lo­gie. Seit En­de 2019 ist Tom Lan­ger­hans als Rich­ter in Ber­lin tä­tig.
  • Ort: per Zoom
  • Gastgeber: Max-Planck-Institut zur Erforschung von Kriminalität, Sicherheit und Recht
  • Kontakt: c.hillemanns@csl.mpg.de
Das strafrechtliche Doppeleheverbot – § 172 StGB im Spannungsverhältnis von Kultur und Strafrecht
Straf­ge­set­ze zum Schutz kul­tu­rel­ler Vor­stel­lun­gen oder Ta­bus ge­ra­ten zu­neh­mend un­ter Druck. Das gilt auch für das straf­recht­li­che Dop­pel­ehe­ver­bot. Seit­dem das Sit­ten­ge­setz als Be­grün­dungsres­sour­ce weg­ge­fal­len ist, stellt sich die Fra­ge neu, wie der Ge­setz­ge­ber die Kri­mi­na­li­sie­rung von Po­ly­ga­mie recht­fer­ti­gen kann. Der Er­klä­rungs­ver­such, die Norm schüt­ze die staat­li­che Ehe­ord­nung, ist ein Zir­kel­schluss, aus dem nicht folgt, wes­halb das zi­vil­recht­li­che Ein­ehe­ge­bot ei­ner straf­recht­li­chen Ab­si­che­rung be­darf. In dem Vor­trag wer­den, auch mit Blick auf die in­ter­na­tio­na­le De­bat­te, mög­li­che Schutz­gü­ter von § 172 StGB vor­ge­stellt und hin­sicht­lich ih­rer le­gi­ti­ma­to­ri­schen Trag­fä­hig­keit kri­tisch hin­ter­fragt. Un­ter Be­rück­sich­ti­gung des Ge­bots der Be­grün­dungs­neu­tra­li­tät wird im Wei­te­ren un­ter­sucht, in­wie­fern der sym­bo­li­sche Ge­halt und der pa­ter­na­lis­ti­sche Cha­rak­ter der Norm mit der deut­schen Straf­rechts­dog­ma­tik ver­ein­bar ist. Im Er­geb­nis for­dert der Re­fe­rent, die Dop­pel­ehe zu ent­kri­mi­na­li­sie­ren.
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