Pro­jekt­bes­chreibung

Ge­gen­stand des Pro­jekts war­en die Straf­tat­be­stände des öko­lo­gis­chen Stra­frechts. Ekuadors altes Strafge­set­zbuch en­thielt in seinem Be­son­der­en Teil ein­en Ab­schnitt zu Um­welt­straf­taten. Ver­g­lichen mit dem Stra­frecht an­der­er Länder Latein­ameri­kas, war­en dessen Struk­tur und Sys­tem­atik mit zen­t­ralen Tat­be­ständen zum Ge­fahr­stoff-, Ab­fall- und Naturs­chutz­stra­frecht dabei durchaus forts­ch­rit­t­lich. Ekuadors neue Ver­fas­sung von 2008 ver­lieh der Natur dann je­doch ein­en neuen Stel­len­wert, ähn­lich wie ein Jahr später die neue Ver­fas­sung Bolivi­ens – d.h. zwei Ver­fas­sun­gen, die von der ver­fas­sung­spolit­ischen Be­we­gung des neo­con­stitu­cion­al­ismo in Latein­amerika in­spir­iert sind. Während Bolivi­en – an­ders als die deutsche bloße Staat­sziel­bestim­mung in Art. 20a GG – ein Grundrecht auf eine ge­sunde, geschützte und aus­ge­wo­gene Um­welt festlegt (Art. 33-34 Verf-BOL), ge­ht die neue Ver­fas­sung Ekuadors al­lerd­ings noch weit­er, in­dem sie die Natur als Pacha Mama, als Mut­ter Erde (que.) er­fasst und diese mit ei­gen­en Grundrecht­en aus­stat­tet (Art. 10 II i.V.m. Artt. 71-74 Verf-ECU). Dieser große Sprung nach vorn, von einem ver­fas­sung­s­recht­lich ver­bür­gten Um­welts­chutz hin zu einem ver­fas­sung­s­recht­lich ver­anker­ten öko­lo­gis­chen Umgang mit der Natur, gibt dem ekuadori­an­is­chen Ge­set­zge­ber die Qual­ität des Rechts vor, an der sich die Ge­set­zge­bung zu ori­entier­en hat, sobald es um die Natur ge­ht: Öko­lo­gisches Recht statt Um­wel­trecht. Dies hat Kon­sequen­zen für das Stra­frecht. Während Um­welt­stra­frecht den stra­frecht­lichen Schutz der Natur als Um­welt des Menschen zu recht­fer­ti­gen hat, muss öko­lo­gisches Stra­frecht den stra­frecht­lichen Schutz der Natur in ihr­er ver­fas­sung­s­recht­lich ver­bür­gten Ei­genschaft als Per­son ge­genüber der mensch­lichen Per­son recht­fer­ti­gen – selb­stver­ständ­lich nicht nat­ur­al­istisch, son­dern als Aus­gleich zwis­chen Recht­sper­son­en. Ents­prechend dieser neuen Ver­fas­sungslage können da­h­er Menschen im Umgang mit der Natur ei­gene Rechte der Natur ver­let­zen. Deswe­gen kann auch öko­lo­gisches Stra­frecht dann, wenn es sein­en Ein­satz mit dem Schutz von Rechts­gütern recht­fer­ti­gen soll­te, auf den üb­lichen Ver­weis auf die Rechts­güter Drit­ter ver­zicht­en. Denn aus dieser Per­spekt­ive ber­uht im Ein­zel­fall die Straf­barkeit mensch­lichen Umgangs mit der Natur im­mer da­rauf, dass mensch­liches Ver­hal­ten un­mit­tel­bar Rechts­güter der Natur ver­let­zt.

Vor diesem Hin­ter­grund en­twick­elte das vorlie­gende Pro­jekt für den Código Or­gánico In­teg­ral Pen­al Ekuadors von 2014 (COIP) ein­en Ge­set­zge­bungs­vorsch­lag zu „Straf­taten ge­gen die Pacha Mama“. Neben den drei Grundstraf­taten ge­gen die Fauna und die Flora sow­ie der Kontamin­ier­ung der Natur und ihren ents­prechenden Qual­i­fika­tion­en, die bereits in ei­gen­en Vor­arbeiten zum Um­welt­stra­frecht zwis­chen 2008 und 2009 für ein­en Vorent­wurf des Be­son­der­en Teils zur Re­form des Strafge­set­zbuchs Bolivi­ens en­twick­elt worden war­en, en­twick­elte das Pro­jekt weit­ere Straf­tat­be­stände zum Gewäss­er-, Bodens­chutz- und Ge­fahr­stoff­stra­frecht. Darüber hinaus schlug das Pro­jekt u.a. Straf­tat­be­stände zum il­le­ga­len Arten­han­del und zur Falschbeurkundung, zu Re­gel­un­gen von Aus­nah­metat­be­ständen, zur Täti­gen Re­ue, zu Strafen jur­istischer Per­son­en und zu Neben­strafen, zu straf­prozes­sualen Bestim­mun­gen zum Op­por­tun­ität­s­prin­zip und zur Pop­ulark­lage, zu Re­gel­un­gen über die Sich­er­stel­lung zum Zwecke der Ge­fahren­ab­wehr sow­ie Be­griffs­bestim­mun­gen vor. Während der ekuadori­an­is­che Ge­set­zge­ber des COIP von 2014 den Vorsch­lag ein­er Grundstruk­tur des öko­lo­gis­chen Stra­frechts in drei Grundstraf­tat­be­ständen nicht überneh­men woll­te und in­folgedessen auch nicht der Tat­be­st­andssys­tem­atik fol­gte, son­dern viel­mehr nur ver­ein­zelt Vorschläge des Pro­jekts auf­nahm, rezipierte der Vorent­wurf des Strafge­set­zbuchs Ar­gen­tini­ens von 2014 unter dem Titel „Straf­taten ge­gen die Um­welt, die Fauna und die Flora“ die vorgesch­la­gene Grundstruk­tur und im Wesent­lichen auch die Sys­tem­atik der Grundlage des Ge­set­zge­bungs­vorsch­lags für Ekuador, einsch­ließ­lich der Tat­be­st­andsele­mente sein­er drei Grundstraf­tat­be­stände.