Grundies, V. (2013). Gibt es typische kriminelle Karrieren? In D. Dölling & J.-M. Jehle (Eds.), Täter • Taten • Opfer. Grundlagenfragen und aktuelle Probleme der Kriminalität und ihrer Kontrolle (pp. 36–52) Neue Kriminologische Schriftenreihe. Mönchengladbach: Forum Verlag Godesberg.
Ein zentrales Thema kriminologischer Verlaufsforschung ist die Frage nach typischen kriminellen Karrieren. Kriminologische Theorien erwarten, soweit sie sich auf diese Thematik einlassen, verschiedenste, sich meist widersprechende Verläufe von solchen Karrieren. Im letzten Jahrzehnt wurden in der kriminologischen Forschung Daten über den Lebenslauf zunehmend mit der Methode der gruppenbasierten Verlaufsmodelle (group based trajectory models) analysiert, die versprach, typische kriminelle Karrieren zu extrahieren. Inzwischen wurden die Daten fast aller bekannteren Kohorten- bzw. Längsschnittstudien mit dieser Methode analysiert und die erfolgreiche Identifizierung von meist drei bis sieben Gruppen (mehrheitlich vier oder fünf) berichtet. Ein konsistentes Bild bezüglich typischer Karrieren ergab sich aber nicht. Auch an den sehr umfangreichen Daten der Freiburger Kohortenstudie wurde diese Methode getestet und gleichfalls Gruppen mit verschiedenen Verläufen krimineller Aktivität gefunden. Es wird dargestellt, dass es sich bei diesen Verläufen nicht um die gesuchten typischen kriminellen Karrieren handelt und postuliert, dass es solche gar nicht gibt.