Oberwittler, D., & Naplava, T. (2002). Auswirkungen des Erhebungsverfahrens bei Jugendbefragungen zu ‚heiklen’ Themen : Schulbasierte schriftliche Befragung und haushaltsbasierte mündliche Befragung im Vergleich. ZUMA-Nachrichten, 51, 49–77.
Schriftliche Befragungen im Klassenverband sind heute in der empirischen Jugendforschung weit verbreitet, ohne dass die methodischen Aspekte dieser Erhebungsform als ausreichend untersucht gelten können. In einer Methodenstudie haben wir daher eine haushaltsbasierte mündliche Befragung und eine schulbasierte schriftliche Befragung bei identischer Grundgesamtheit und identischem Erhebungsinstrument durchgeführt. Die Ausschöpfungsrate der schulbasierten Befragung liegt erheblich höher als die der haushaltsbasierten Befragung, und insbesondere Personen aus unteren sozialen Schichten werden besser erreicht. Am Beispiel der selbstberichteten Delinquenz ergibt der Vergleich der Befragungsergebnisse erhebliche Unterschiede sowohl in den Prävalenzen als auch in den Korrelationen mit anderen Variablen. In der haushaltsbasierten Befragung liegen die Prävalenzraten der selbstberichteten Delinquenz ungefähr 20 bis 50 Prozent niedriger als in der schulbasierten Befragung. Während wir die unterschiedlichen Prävalenzraten eher mit den Selektionseffekten der Stichprobenverfahren erklären, deuten die unterschiedlichen Korrelationsmuster möglicherweise auf Kontexteffekte der jeweiligen Erhebungssituationen hin.