
KI in der richterlichen Entscheidungsfindung und die Digitalisierung von Gerichten
Ein vergleichendes und empirisches Forschungsprojekt
Das Forschungsprojekt untersucht, welchen Einfluss neue Technologien – darunter Künstliche Intelligenz (KI), Blockchain und Virtual Reality – auf die richterliche Entscheidungsfindung haben und ob sie die Rolle der Gerichte grundlegend verändern. Mithilfe empirischer Methoden und vergleichender Rechtsanalyse wird eruiert, wie verschiedene Rechtsordnungen diese Technologien in die gerichtliche Praxis integrieren. Der Schwerpunkt liegt auf institutionellen Reformen, beweisrechtlichen Verfahren und regulatorischen Rahmenbedingungen. Analysiert werden die Auswirkungen von KI auf die Rechtsprechung in Zivil- und Strafverfahren.
Auf theoretischer Ebene reflektiert die Forschung die grundlegende Bedeutung von Gerichten aus soziologischer und politischer Perspektive. Sie untersucht, wie Autorität, Legitimität und das öffentliche Vertrauen in die Justiz neu definiert werden, wenn Entscheidungen durch KI-Systeme beeinflusst oder automatisiert werden. Dazu zählt auch eine Analyse der Auswirkungen digitaler Infrastrukturen auf die Rolle der Justiz als Hüterin verfassungsrechtlicher Grundwerte und als Schiedsinstanz gesellschaftlicher Konflikte – mit besonderen Implikationen für Transparenz, Rechenschaftspflicht und Rechtsstaatlichkeit. Die Untersuchung stützt sich auf drei theoretische Ansätze: öffentliche Vernunft (Rawls), Diskurstheorie (Habermas) und rechtliche Autonomie (Luhmann).
Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der Strafjustiz, in der KI spezifische Spannungsfelder im Bereich der Strafrechtstheorien, der Verfahrensgrundrechte, der Beweismaß- und Beweisanforderungen sowie der Unschuldsvermutung aufwirft. Das Projekt analysiert, wie algorithmische Systeme die Bewertung von Beweismitteln, die Bestimmung von Beweisstandards sowie die Struktur kontradiktorischer und inquisitorischer Verfahren beeinflussen. Ziel ist es, normative und wertebasierte Rahmenkonzepte zu entwickeln, die die Unabhängigkeit der Justiz und die Einhaltung der Menschenrechte sichern und zugleich eine verantwortungsvolle Integration technologischer Innovationen in Beweiswürdigung, Entscheidungsfindung und prozessuale Garantien ermöglichen.
| Forschungsergebnis: | Förderantrag (2026/2027); Veröffentlichung (2026/2027) |
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| Forschungsschwerpunkt: | I. Grundlagen |
| Projektsprache: | Englisch |
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