Front view of United States Supreme Court building at day time, Washington DC, USA. Judicial branch. Artificial Intelligence concept, hologram. AI, machine learning, neural network, robotics

KI in der richterlichen Entscheidungs­findung und die Digitalisierung von Gerichten

Ein vergleichendes und empirisches Forschungsprojekt

Das Forschungsprojekt untersucht, welchen Einfluss neue Technologien – darunter Künstliche Intelligenz (KI), Blockchain und Virtual Reality – auf die richterliche Entscheidungsfindung haben und ob sie die Rolle der Gerichte grundlegend verändern. Mithilfe empirischer Metho­den und vergleichender Rechtsanalyse wird eruiert, wie verschiedene Rechtsordnungen diese Technologien in die gerichtliche Praxis integrieren. Der Schwerpunkt liegt auf institutionellen Reformen, beweisrechtlichen Verfahren und regulatorischen Rahmenbedingungen. Analysiert werden die Auswirkungen von KI auf die Rechtsprechung in Zivil- und Strafverfahren.
Auf theoretischer Ebene reflektiert die Forschung die grundlegende Bedeutung von Gerichten aus soziologischer und politischer Perspektive. Sie untersucht, wie Autorität, Legitimität und das öffentliche Vertrauen in die Justiz neu definiert werden, wenn Entscheidungen durch KI-Systeme beeinflusst oder automatisiert werden. Dazu zählt auch eine Analyse der Auswir­kun­gen digitaler Infrastrukturen auf die Rolle der Justiz als Hüterin verfas­sungs­recht­licher Grund­wer­te und als Schiedsinstanz gesellschaftlicher Konflikte – mit besonderen Impli­ka­tionen für Transparenz, Rechenschaftspflicht und Rechtsstaatlichkeit. Die Untersuchung stützt sich auf drei theoretische Ansätze: öffentliche Vernunft (Rawls), Diskurstheorie (Habermas) und rechtliche Autonomie (Luhmann).
Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der Strafjustiz, in der KI spezifische Spannungsfelder im Bereich der Straf­rechts­theorien, der Verfahrensgrundrechte, der Beweismaß- und Beweis­anfor­derun­gen sowie der Unschulds­vermutung aufwirft. Das Projekt analysiert, wie algo­rith­mi­sche Systeme die Bewertung von Beweismitteln, die Bestimmung von Beweisstandards sowie die Struktur kontradiktorischer und inquisitorischer Verfahren be­einflus­sen. Ziel ist es, normative und wertebasierte Rahmenkonzepte zu entwickeln, die die Unabhängigkeit der Justiz und die Einhaltung der Menschenrechte sichern und zugleich eine verantwortungsvolle Integration techno­lo­gischer Innovationen in Beweiswürdigung, Entscheidungsfindung und prozessuale Garantien ermöglichen.

 

Forschungsergebnis: Förderantrag (2026/2027); Veröffentlichung (2026/2027)
Forschungsschwerpunkt: I. Grundlagen
Projektsprache: Englisch
Bild: © AdobeStock.com/VideoFlow

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