Pro­jekt­be­schrei­bung
Das zen­tra­le Ziel der Stu­die „Kri­mi­na­li­tät, Un­si­cher­heit und so­zia­le Dy­na­mi­ken städ­ti­scher Wohn­ge­bie­te“ ist es, die Be­zie­hun­gen zwi­schen Kri­mi­na­li­täts­pro­ble­men und der so­zia­len Ent­wick­lung von städ­ti­schen Wohn­ge­bie­ten im Quer- als auch Längs­schnitt bes­ser zu ver­ste­hen. Zen­tra­le Fra­gen sind: Wie neh­men Be­woh­ne­rin­nen und Be­woh­ner Kri­mi­na­li­tät und Un­ord­nung wahr und wie ent­wi­ckeln sich das kol­lek­ti­ve So­zi­al­ka­pi­tal und in­te­reth­ni­sche Be­zie­hun­gen? Hier­bei liegt be­son­ders der Fo­kus auf so­zia­len Me­cha­nis­men in der Ent­wick­lungs­dy­na­mik von städ­ti­schen Räu­men. Die­ses Pro­jekt mar­kiert Pha­se 2 ei­ner Lang­zeit­stu­die von 139 Wohn­ge­bie­ten in Köln und Es­sen (Nord­rhein-West­fa­len). 


Nach der ers­ten Pro­jekt­pha­se 2014/15 star­te­te die zwei­te Pha­se im Herbst 2020 in den­sel­ben Wohn­ge­bie­ten mit ei­ner neu­en Zu­falls­s­tich­pro­be von Be­frag­ten. Die­se wer­den wie im Vor­gän­ger­pro­jekt SEN­SI­KO zwei­mal be­fragt. Für die Ver­gleich­bar­keit sind die Ab­läu­fe der Be­fra­gung und große Tei­le des Frag­bo­gens der bei­den Pha­sen iden­tisch. Un­ter­schie­de zwi­schen den zwei Pha­sen gibt es im Be­fra­gungs­mo­dus: Wäh­rend die ers­te Be­fra­gung nur po­sta­lisch durch­ge­führt wur­de, ha­ben wir für die zwei­te Pha­se ei­ne Kom­bi­na­ti­on von po­sta­li­scher und Web­be­fra­gung ge­wählt. Der frü­he­re The­menschwer­punkt auf äl­te­re Men­schen wird in der zwei­ten Pha­se nicht wei­ter­ver­folgt. 


Die ak­tu­el­le Be­fra­gung be­gann am 19.10.2020; bis zum 05.11.2020 gin­gen ca. 50% der Fra­ge­bö­gen ein. Die Net­to­stich­pro­be um­fasst 5022 Be­frag­te. Da­von ha­ben ca. 2600 den po­sta­li­schen Weg und ca. 1400 die On­li­ne-Teil­nah­me ge­wählt. Da­mit war die ers­te Wel­le der Be­fra­gung ein vol­ler Er­folg. Die Da­ten­auf­be­rei­tun­gen und -ana­ly­sen ins­be­son­de­re für den Ver­gleich mit der ers­ten Pro­jekt­pha­se neh­men Zeit in An­spruch. Wir wer­den Er­geb­nis­se spä­ter auch auf die­ser Pro­jekt­sei­te ver­öf­fent­li­chen. Die zwei­te Be­fra­gungs­wel­le wird im Ok­to­ber 2021 statt­fin­den. 

Ers­te Be­fra­gungs­er­geb­nis­se - Schlag­lich­ter
Fast 90 % der Be­frag­ten füh­len sich in ih­rem Wohn­ge­biet zu Hau­se, und 75 % wür­den einen Weg­zug be­dau­ern, von den über 70-Jäh­ri­gen so­gar 85 %. 60 % der Be­frag­ten be­ob­ach­ten in ih­rem Wohn­ge­biet häu­fig her­um­lie­gen­den Müll. Fast 80 % der Frau­en, aber nur 30 % der Män­ner un­ter 30 Jah­ren hal­ten auf dem Heim­weg Kon­takt per Han­dy zu ei­ner ver­trau­ten Per­son, um sich vor Kri­mi­na­li­tät zu schüt­zen. Die Co­ro­na-Pan­de­mie be­ein­träch­tigt Bür­ger*in­nen: Zwei Drit­tel der Be­frag­ten sind über ei­ne mög­li­che Wirt­schafts­kri­se nach der Co­ro­na-Pan­de­mie be­sorgt.


Wäh­rend des ers­ten Lock­downs im Früh­jahr 2020 ha­ben vie­le Be­frag­te ih­ren Nach­barn Hil­fe an­ge­bo­ten, zum Bei­spiel beim Ein­kau­fen (Abb. 1). Am häu­figs­ten ha­ben dies zu mehr als 50 % die mitt­le­ren Al­ters­grup­pen zwi­schen 35 und 70 Jah­ren ge­tan. Die­se Hil­fe ist vor al­lem bei den äl­te­ren Be­frag­ten über 70 Jah­ren an­ge­kom­men. Von die­sen ha­ben 56 % be­rich­tet, dass Ih­nen Hil­fe an­ge­bo­ten wur­de.


Nur ei­ne Min­der­heit von et­wa 39 % der Be­frag­ten glaubt, dass der Zu­sam­men­halt der Men­schen in ih­rem Wohn­ge­biet seit Be­ginn der Co­ro­na-Kri­se stär­ker ge­wor­den ist (Abb. 2). Be­frag­te, die be­reits sehr vie­le Kon­tak­te mit Nach­barn ha­ben, schät­zen den Zu­sam­men­halt viel po­si­ti­ver ein als Be­frag­te, die kei­ne oder we­ni­ge Kon­tak­te mit ih­ren Nach­barn pfle­gen. Per­sön­li­che Er­fah­run­gen sind al­so wich­tig. 


Zwei Drit­tel der Be­frag­ten füh­len sich in ih­rem Wohn­ge­biet auch nach Ein­bruch der Dun­kel­heit si­cher, aber ein Drit­tel fühlt sich un­si­cher (Abb.3). Fast die Hälf­te mei­det in ih­rem Wohn­ge­biet im Dun­keln be­stimm­te Stra­ßen oder Plät­ze, et­wa 20 % der Be­frag­ten blei­ben im Dun­keln lie­ber ganz zu Hau­se. Wer Op­fer von Ge­walt oder Pö­be­lei­en wur­de, fühlt sich be­son­ders un­si­cher. 


Ab­bil­dung 1:

Ab­bil­dung 2:

Ab­bil­dung 3: