Der Kampf gegen den Terror und das Bedürfnis der Gesellschaft nach Sicherheit hat auch vor dem Tabu des Folterverbots nicht Halt gemacht. Die Untersuchung soll die rechtstatsächliche Erscheinungsform der Folter analysieren und erklären, wo in einer rechtsstaatlichen Demokratie die Grenzen der Zwangsanwendung zu Verhörzwecken liegen und ob diese Grenzen in Extremsituationen neu anzupassen sind.

Der Kampf ge­gen den Ter­ro­ris­mus und das Be­dürf­nis der Ge­sell­schaft nach Si­cher­heit hat auch vor dem Ta­bu der Fol­ter oder "mil­de­rer" Mit­tel zu Ver­hör­zwe­cken nicht Halt ge­macht. Vor dem Hin­ter­grund, dass Fol­ter von der An­ti­ke bis in die Neu­zeit fes­ter und recht­mä­ßi­ger Be­stand­teil des ju­di­zi­el­len Ver­fah­rens war, stellt das ab­so­lu­te Ver­bot der Fol­ter auf in­ter­na­tio­na­ler und na­tio­na­ler Ebe­ne ei­ne es­sen­zi­el­le Er­run­gen­schaft des mo­der­nen Men­schen­rechts­schut­zes dar und gilt als In­be­griff der Rechts­staat­lich­keit schlecht­hin. Je­doch ist wohl bei kei­nem Men­schen­recht die Dis­kre­panz zwi­schen völ­ker­recht­li­chem Ver­bot und staat­li­cher Pra­xis so weit­rei­chend wie bei der Fol­ter. Durch tra­gi­sche Er­eig­nis­se wie die Ter­ror­an­schlä­ge des 11. Sep­tem­bers 2001 oder die Ent­füh­rung von Ja­kob von Metz­ler in 2002 wird die Not­wen­dig­keit und Le­gi­ti­mi­tät des ab­so­lu­ten Fol­ter­ver­bots nun­mehr auch in ge­fes­tig­ten Rechts­staa­ten ver­mehrt an­ge­zwei­felt. Im de­mo­kra­ti­schen Rechts­staat drin­gend zu be­ant­wor­ten ist da­her die Fra­ge da­nach, wie viel "Men­schen­wür­de" die mo­der­ne Ge­sell­schaft in Ver­hör­si­tua­tio­nen noch ver­trägt.

Kon­kre­ter Ge­gen­stand des For­schungs­pro­jekts ist das Fol­ter­ver­bot im in­ter­na­tio­na­len Recht und in den Rechts­ord­nun­gen von Deutsch­land, Eng­land und Wa­les und den USA so­wie ei­ne dar­auf auf­bau­en­de Ana­ly­se der recht­li­chen Re­ge­lun­gen von Zwang im Ver­hör. Zwang wird mög­lichst um­fas­send ver­stan­den und bein­hal­tet da­her so­wohl psy­chi­sche als auch phy­si­sche Ein­wir­kun­gen auf die ver­hör­te Per­son. Bei der Ziel­set­zung der Ver­hö­re wird zwi­schen re­pres­si­ver und prä­ven­ti­ver In­for­ma­ti­ons­ge­win­nung un­ter­schie­den.

Das ers­te Ziel des For­schungs­vor­ha­bens ist es, das Phä­no­men der Fol­ter in sei­ner rechts­ge­schicht­li­chen und recht­stat­säch­li­chen Er­schei­nungs­form um­fas­send zu ana­ly­sie­ren. Das zwei­te Ziel liegt in der Er­ar­bei­tung der ab­so­lu­ten und re­la­ti­ven Gren­zen des zu­läs­si­gen Zwangs im Ver­hör: Es soll un­ter­sucht wer­den, wo – los­ge­löst vom Ver­wen­dungs­zweck und der spe­zi­fi­schen Fall­kon­stel­la­ti­on – der Ein­wir­kung auf den Ver­hör­ten ab­so­lu­te Gren­zen zu set­zen sind. Die re­la­ti­ve Gren­ze soll auf­zei­gen, ob bzw. wo – dif­fe­ren­ziert nach re­pres­si­vem oder prä­ven­ti­vem Ver­wen­dungs­zweck so­wie den spe­zi­fi­schen Fall­kon­stel­la­tio­nen – un­ter­schied­li­che Zwangs­ein­wir­kun­gen zu­läs­sig sind. Als wei­te­res Ziel gilt es, einen rechts­po­li­ti­schen Vor­schlag zu er­ar­bei­ten, wie dem Pro­blem der Fol­ter in ei­nem de­mo­kra­ti­schen Rechts­staat am bes­ten be­geg­net wer­den soll.

In me­tho­di­scher Hin­sicht wird im ers­ten Teil der Un­ter­su­chung das Phä­no­men der Fol­ter in sei­ner ge­schicht­li­chen Ent­wick­lung und ge­gen­wär­ti­gen Er­schei­nungs­form durch Aus­wer­tung von Do­ku­men­ten, Li­te­ra­tur und Be­fra­gun­gen um­fas­send dar­ge­stellt. An­schlie­ßend wer­den die ein­zel­nen in­ner­staat­li­chen und in­ter­na­tio­na­len Re­ge­lun­gen in Her­an­zie­hung von Ge­setz­ge­bung, Li­te­ra­tur und Recht­spre­chung ana­ly­siert. Im rechts­ver­glei­chen­den Teil wer­den die Lö­sungs­an­sät­ze der ver­schie­de­nen Rechts­ord­nun­gen auf ih­re Ge­mein­sam­kei­ten und Un­ter­schie­de un­ter­sucht so­wie auf de­ren Über­ein­stim­mung mit den in­ter­na­tio­na­len Vor­ga­ben ge­prüft. Dar­an an­knüp­fend wer­den in ei­ner kri­ti­schen und wer­ten­den Be­trach­tung die­ser Er­geb­nis­se die ab­so­lu­ten und re­la­ti­ven Gren­zen von Zwang im Ver­hör er­ar­bei­tet. In ei­nem letz­ten Schritt folgt ei­ne Be­spre­chung der bis­her in der Li­te­ra­tur und Pra­xis vor­ge­schla­ge­nen Lö­sun­gen der Folt­er­pro­ble­ma­tik, um schließ­lich ei­ne ei­ge­ne rechts­po­li­ti­sche Stel­lung­nah­me da­zu zu for­mu­lie­ren.