Straftäter, von denen mit großer Wahrscheinlichkeit die Gefahr ausgeht, dass sie nach Verbüßung ihrer Strafe erneut erheblich straffällig werden, gelten als besonderes Sicherheitsrisiko, vor dem die Allgemeinheit geschützt sein will. In einem rechtsvergleichenden Projekt wurde anhand von ca. 15 Rechtsordnungen untersucht, welcher Täterkreis aus welchen Anlässen und unter welchen weiteren rechtlichen Voraussetzungen mit welchen besonderen, namentlich freiheitsentziehenden Rechtsfolgen belegt werden kann.

Straf­tä­ter, von de­nen mit großer Wahr­schein­lich­keit die Ge­fahr aus­geht, dass sie nach Ver­bü­ßung ih­rer Stra­fe er­neut er­heb­lich straf­fäl­lig wer­den, gel­ten als Si­cher­heits­ri­si­ko, dem durch Auf­er­le­gung (wei­te­rer) frei­heits­ent­zie­hen­der Maß­nah­men zu be­geg­nen ist. Ins­be­son­de­re in Be­zug auf Se­xual­straf­tä­ter wird in der Öf­fent­lich­keit der Ruf nach ei­nem "Wegsper­ren für im­mer" er­ho­ben, und die Rechts­la­ge wird in Deutsch­land trotz meh­re­rer Re­for­men seit 1998 teil­wei­se für un­be­frie­di­gend ge­hal­ten. Das 2008 be­gon­ne­ne For­schungs­pro­jekt stellt an­hand von ca. 15 aus­ge­wähl­ten (zu­meist eu­ro­päi­schen) Län­dern rechts­ver­glei­chend dar, wel­cher Tä­ter­kreis aus wel­chem An­lass und un­ter wel­chen wei­te­ren Vor­aus­set­zun­gen mit wel­chen be­son­de­ren Rechts­fol­gen be­legt wer­den kann, um das Schut­z­in­ter­es­se der Ge­sell­schaft ins­be­son­de­re vor Wie­der­ho­lungs- bzw. Rück­fall­tä­tern zu be­die­nen.

Das Pro­jekt folgt der klas­si­schen Me­tho­de ein­heit­lich struk­tu­rier­ter Län­der­be­rich­te mit sich dar­an an­schlie­ßen­der funk­tio­nal-rechts­ver­glei­chen­der Ana­ly­se. Die­ser funk­tio­na­le An­satz er­laubt es, un­ter­schied­li­che Si­che­rungs­kon­zep­te mit­ein­an­der zu ver­glei­chen. So kann zum Bei­spiel be­reits bei der ge­setz­li­chen Strafrah­men­ge­stal­tung und der ta­trich­ter­li­chen Straf­zu­mes­sung der (ty­pi­schen oder in­di­vi­du­el­len) Tä­ter­ge­fähr­lich­keit Rech­nung ge­tra­gen wer­den. Dies gilt so­gar, wenn die le­bens­lan­ge Frei­heits­s­tra­fe nicht vor­ge­se­hen ist, so­weit be­son­ders lan­ge zeit­li­che Frei­heits­s­tra­fen mög­lich sind und/oder bei Tat­mehr­heit über das Ku­mu­la­ti­ons­prin­zip die ver­häng­te Straf­dau­er nicht ein­mal durch die bio­lo­gi­sche Le­bens­er­war­tung des Ver­ur­teil­ten be­grenzt ist. Eben­so kann durch be­son­de­re straf­schär­fen­de Re­ge­lun­gen für Rück­fall der wie­der­hol­ten Be­ge­hung schwe­rer Straf­ta­ten ent­ge­gen­ge­wirkt wer­den, sei es durch da­von aus­ge­hen­de Prä­ven­ti­ons­er­war­tung, sei es da­durch, dass gleich­wohl Rück­fäl­li­gen im Ver­gleich zum Erst­tä­ter er­heb­lich län­ge­re Frei­heits­s­tra­fen auf­er­legt wer­den. Da­bei wird mög­li­cher­wei­se schon im Rah­men der Straf­zu­mes­sung zwi­schen schuld- und ge­fähr­lich­keit­s­ori­en­tier­ten Straf­tei­len un­ter­schie­den. Schließ­lich wur­de im Rah­men des Pro­jekts über­prüft, in­wie­weit un­güns­ti­ge Kri­mi­nal­pro­gno­sen bei Ent­schei­dun­gen über be­ding­te vor­zei­ti­ge Haft­ent­las­sung zu be­rück­sich­ti­gen sind.

So­weit Rechts­ord­nun­gen ne­ben der ei­gent­li­chen Stra­fe spe­zi­el­le frei­heits­ent­zie­hen­de Si­che­rungs­maß­nah­men (FSM) ge­gen­über für ver­ant­wort­lich be­fun­de­nen Tä­tern ken­nen, wur­den de­ren sub­stan­ti­el­le Vor­aus­set­zun­gen eben­so ver­gli­chen wie die we­sent­li­chen pro­ze­du­ra­len Pa­ra­me­ter. Be­son­de­res Au­gen­merk galt da­bei ne­ben den mög­li­chen Vor- und An­las­staten und den da­für ver­wirk­ten Sank­tio­nen dem Kri­te­ri­um der vom Tä­ter aus­ge­hen­den Ge­fahr im Sin­ne der Be­ge­hung wei­te­rer Straf­ta­ten, wo­bei auch et­wai­ge Un­ter­schie­de zwi­schen Se­xual­straf­tä­tern und an­de­ren De­lin­quen­ten hin­sicht­lich des Gra­des die­ser Ge­fahr als Vor­aus­set­zung für die Ver­hän­gung be­stimm­ter Si­che­rungs­maß­nah­men un­ter­sucht wer­den. Als wei­te­res per­sön­li­ches Merk­mal kann ein et­wai­ges be­stimm­tes Min­destal­ter zur Zeit der Tat­be­ge­hung bzw. Ab­ur­tei­lung von Be­deu­tung sein. Ver­fah­rens­tech­nisch sind ne­ben dem Ent­schei­dungs­zeit­punkt über das Ob ei­ner FSM (be­reits im Ta­t­ur­teil oder erst zum En­de des Straf­voll­zugs) ins­be­son­de­re die zur pro­gno­s­ti­schen Be­ur­tei­lung der Ge­fähr­lich­keit vor­ge­se­he­nen Vor­keh­run­gen von Be­lang, nicht we­ni­ger aber auch die zur Über­prü­fung der Fort­dau­er bzw. zur Be­en­di­gung ei­ner ver­häng­ten und voll­streck­ten Maß­nah­me vor­ge­se­he­nen Mög­lich­kei­ten. Da zwi­schen Be­ge­hung der An­las­stat, de­ren Ab­ur­tei­lung bzw. dem En­de der Ver­bü­ßung von Stra­fe und/oder FSM er­heb­li­che Zeiträu­me lie­gen kön­nen, wur­de auch un­ter­sucht, in­wie­weit et­wai­ge wäh­rend die­ser Zeit er­folg­te Ge­set­zes­än­de­run­gen bei nach­fol­gen­den Ent­schei­dun­gen über Ver­hän­gung, Fort­be­stand oder Be­en­di­gung ei­ner FSM zu be­rück­sich­ti­gen sind.