Das vom T.M.C. Asser Instituut organisierte Projekt analysierte zusammen mit dem Max-Planck-Institut die Umsetzung des EU Rahmenbeschlusses über den europäischen Haftbefehl in allen Mitgliedstaaten der EU. Das Max-Planck-Institut erstellte den deutschen Landesbericht und hatte dadurch frühen Zugriff auf den entsprechenden Gesamtdatenbestand, der später als elektronisches Informationssystem im Internet veröffentlicht wurde. Es war auch wesentlich an der Abschlusskonferenz des Projekts beteiligt.

Der im Ju­ni 2002 ver­ab­schie­de­te Rah­men­be­schluss des Ra­tes über den Eu­ro­päi­schen Haft­be­fehl und die Über­ga­be­ver­fah­ren zwi­schen den Mit­glied­staa­ten (RbEuHb) ist das bis­her wich­tigs­te In­stru­ment, das auf dem Grund­satz der ge­gen­sei­ti­gen An­er­ken­nung auf­baut und da­mit ein ef­fek­ti­ves trans­na­tio­na­les Straf­recht schaf­fen will. Der Rah­men­be­schluss dient der Schaf­fung ei­ner EU-wei­ten "Über­ga­be­zo­ne", in der die Aus­lie­fe­rung nicht mehr er­for­der­lich ist. In­ner­halb die­ser Zo­ne kann ei­ne ge­richt­li­che In­stanz ei­nes Staa­tes ge­gen­über ei­nem an­de­ren Staat die ein­fa­che und schnel­le Über­ga­be ei­nes Ver­däch­ti­gen oder Ver­ur­teil­ten be­an­tra­gen, der sich dort auf­hält. Als Neue­rung ent­fiel da­bei u.a. für die in Art. 2 Abs. 2 RbEuHb fest­ge­leg­ten Ka­ta­log­ta­ten die Prü­fung der bei­der­sei­ti­gen Straf­bar­keit. Auch die Über­ga­be ei­ge­ner Staats­an­ge­hö­ri­ger ist nun grund­sätz­lich mög­lich. Von er­heb­li­cher Be­deu­tung war, dass die Um­set­zung und An­wen­dung auf na­tio­na­ler Ebe­ne ein­heit­lich und auf trans­pa­ren­te Wei­se er­folg­te, um den im RbEuHb ver­an­ker­ten Zie­len eu­ro­pa­wei­te Gel­tung zu ver­schaf­fen. Ins­be­son­de­re die Be­stimmt­heit des Straf­ta­ten­ka­ta­logs und die Über­ga­be ei­ge­ner Staats­an­ge­hö­ri­ger führ­ten aber teil­wei­se zu ver­fas­sungs­recht­li­chen Pro­ble­men (Deutsch­land, Bel­gi­en und Po­len).
Das "Eu­ro­pean Ar­rest War­rant"-Pro­jekt ver­folg­te das Ziel, in 27 EU-Mit­glied­staa­ten so­wie in Nor­we­gen, Is­land, der Schweiz und Kroa­ti­en ei­ne ein­heit­li­che und trans­pa­ren­te An­wen­dung des neu­en Über­ga­be­ver­fah­rens zu er­mög­li­chen. Ziel war vor al­lem die För­de­rung des In­for­ma­ti­ons­aus­tau­sches, der prak­ti­schen Um­set­zung und der wis­sen­schaft­li­chen For­schung im Be­reich der jus­ti­zi­el­len Zu­sam­men­ar­beit in Strafsa­chen. Da­zu wur­den In­for­ma­tio­nen zum Eu­ro­päi­schen Haft­be­fehl ana­ly­siert, über sei­ne Um­set­zung und An­wen­dung auf na­tio­na­ler Ebe­ne in den EU-Mit­glied­staa­ten be­rich­tet und ein eu­ro­pa­wei­tes Kor­re­spon­den­ten- und Ex­per­ten­netz­werk ge­schaf­fen. Das Pro­jekt wur­de von ei­nem "eu­ro­päi­schen" Kon­sor­ti­um ge­tra­gen, das ne­ben dem T.M.C. As­ser In­sti­tu­ut und dem Max-Planck-In­sti­tut wei­te­re er­fah­re­ne Part­ner wie die Eu­ro­pean Cri­mi­nal Bar As­so­cia­ti­on (EC­BA) und das Mi­nis­try of Ju­sti­ce in Lon­don so­wie die Fa­kul­tät der Rechts­wis­sen­schaf­ten in Lund (Schwe­den) un­ter ei­nem Dach ver­ein­te.
Das von der EU-Kom­mis­si­on im Rah­men des AGIS Pro­gramms mit­fi­nan­zier­te Pro­jekt wur­de durch ei­ne ei­ge­ne In­ter­netsei­te un­ter­stützt. Es be­ruh­te vor al­lem auf der en­gen Zu­sam­men­ar­beit der Kor­re­spon­den­ten so­wie der Mit­glie­der des For­schungs­ra­tes und des Len­kungs­aus­schus­ses. Ins­be­son­de­re die Kor­re­spon­den­ten be­ar­bei­te­ten einen ein­heit­li­chen Fra­gen­ka­ta­log und er­stell­ten auf Grund­la­ge ei­ner ge­mein­sa­men Glie­de­rung Lan­des­be­rich­te zu den na­tio­na­len Um­set­zungs­ge­set­zen, die ei­ne Rechts­ver­glei­chung zwi­schen den ein­zel­nen Mit­glied­staa­ten er­lau­ben und dem Max-Planck-In­sti­tut er­mög­li­chen, ei­ge­ne For­schungs­zie­le wei­ter zu ent­wi­ckeln.
Das Pro­jekt ver­füg­te in fast je­dem EU-Mit­glied­staat über einen Kor­re­spon­den­ten, der ne­ben der Zu­sam­men­stel­lung al­ler Um­set­zungs­ge­set­ze (mög­lichst in eng­li­scher Spra­che) so­wie den In­for­ma­tio­nen des Ra­tes zur Um­set­zungs­pha­se in den ein­zel­nen Län­dern auch Bi­blio­gra­phien zum The­ma so­wie Kom­men­tie­run­gen zu den wich­tigs­ten Rechts­ent­schei­dun­gen der obers­ten Ge­richts­hö­fe be­schaff­te. Dar­über hin­aus wur­den in fast al­len Län­dern Lan­des­be­rich­te er­stellt, die ei­ne um­fas­sen­de Ana­ly­se et­wai­ger Um­set­zungs- und An­wen­dungs­pro­ble­me ent­hal­ten. Im Ju­ni 2006 fand in Noord­wi­jker­hout (Nie­der­lan­de) ei­ne um­fang­rei­che Ab­schluss­kon­fe­renz un­ter Mit­wir­kung al­ler be­tei­lig­ten Staa­ten statt. Die­se er­mög­lich­te den Aus­tausch na­tio­na­ler Er­fah­run­gen mit dem Eu­ro­päi­schen Haft­be­fehl auf in­ter­na­tio­na­ler Ebe­ne und den Ver­gleich al­ler Er­geb­nis­se. Ei­ne rechts­ver­glei­chen­de Aus­wer­tung der Lan­des­in­for­ma­tio­nen er­folg­te im T.M.C. As­ser In­sti­tu­ut.