Projektziel ist ein Modell der neuen Procuraduría Perus für Korruptionsangelegenheiten. Ausgehend von Daten der Vorgängerinstitutionen entwickelte das Projekt mit einem neuen System von Fallkategorien, der Informationserfassung, der strategischen Fallauswahl, der Ermittlung sowie der Prozessführung und der Vermögensabschöpfung, ein neues Modell der Procuraduría, das bereits erfolgreich in die Praxis einfloss.

Ge­gen­stand des Pro­jekts war die Pro­cu­raduría Pe­rus für Kor­rup­ti­ons­an­ge­le­gen­hei­ten. Pro­cu­radurías neh­men ge­mäß der pe­rua­ni­schen Ver­fas­sung die staat­li­che In­ter­es­sen­ver­tre­tung in ju­ris­ti­schen Ver­fah­ren wahr, in et­wa ähn­lich – wenn auch in Pe­ru zu­stän­dig­keits­hal­ber er­heb­lich wei­ter – dem Ver­tre­ter des Bun­des­in­ter­es­ses und der Lan­des­an­walt­schaf­ten in Deutsch­land. Die Pro­cu­radurías für Kor­rup­ti­ons­an­ge­le­gen­hei­ten ge­hen v.a. auf die schwe­ren Ver­feh­lun­gen der pe­rua­ni­schen Re­gie­rung in den 1990ern zu­rück, die sys­te­ma­tisch Kor­rup­ti­on zur Re­gie­rungs­form aus­bau­te. Nach­dem die­se Form des Re­gie­rens zu Be­ginn der Jahr­tau­send­wen­de mit der Flucht der Haupt­be­tei­lig­ten ge­en­det hat­te, be­gann ei­ne Über­gangs­re­gie­rung mit der ju­ris­ti­schen Auf­ar­bei­tung der Kor­rup­ti­on un­ter der Vor­gän­ger­re­gie­rung. Da­zu schuf der pe­rua­ni­sche Staat neue Mög­lich­kei­ten zur Straf­ver­fol­gung von Kor­rup­ti­on und Ver­mö­gens­ab­schöp­fung mit Mo­dell­cha­rak­ter für La­tein­ame­ri­ka, ein­schließ­lich ei­ner für die Kor­rup­ti­ons­fäl­le der Vor­gän­ger­re­gie­rung ge­son­dert zu­stän­di­gen „Pro­cu­raduría Ad Hoc für die Fäl­le Fu­ji­mo­ri-Mon­te­si­nos“. Nach­dem die Straf­ver­fol­gung po­li­ti­scher Kor­rup­ti­on mit der Ver­ur­tei­lung des ehe­ma­li­gen Staats­prä­si­den­ten Fu­ji­mo­ri und sei­nes Si­cher­heits­be­ra­ters Mon­te­si­nos ih­ren Hö­he­punkt er­reicht hat­te, ver­lor sie je­doch – spe­zi­ell hin­sicht­lich neu­er Kor­rup­ti­ons­fäl­le un­ter den bei­den Re­gie­run­gen, die der Über­gangs­re­gie­rung folg­ten – an Ge­wicht und kam spä­ter ganz zum Er­lie­gen, bis schließ­lich ei­ne neue Re­gie­rung der Kor­rup­ti­ons­be­kämp­fung einen wei­te­ren Im­puls ver­lei­hen konn­te. Ein we­sent­li­ches Ele­ment da­bei war die Ent­schei­dung, die Pro­cu­radurías in Kor­rup­ti­ons­an­ge­le­gen­hei­ten in ei­ner ein­zi­gen neu­en Pro­cu­raduría zu kon­zen­trie­ren.

Pro­jekt­ziel war die Ent­wick­lung ei­nes Vor­schlags für ein Mo­dell der neu­en Pro­cu­raduría in Kor­rup­ti­ons­an­ge­le­gen­hei­ten. In ei­nem ers­ten Schritt un­ter­such­te das Pro­jekt die po­li­ti­schen, recht­li­chen und in­sti­tu­tio­nel­len Be­din­gun­gen, die zu­vor den Er­folg der Auf­ar­bei­tung von Kor­rup­ti­on als Re­gie­rungs­form er­mög­licht hat­ten. Die Un­ter­su­chung er­gab, dass die – ver­gli­chen mit dem rest­li­chen Sys­tem der Pro­cu­radurías – ho­he Un­ab­hän­gig­keit der Pro­cu­raduría für die Fäl­le Fu­ji­mo­ri-Mon­te­si­nos, die per­sön­li­che In­te­gri­tät ih­rer Lei­tung, die wei­ten Zu­stän­dig­kei­ten im pe­rua­ni­schen Staats­ge­fü­ge, die Or­ga­ni­sa­ti­ons­ab­läu­fe so­wie die Er­mitt­lungs­stra­te­gie die Grund­la­ge zum Er­folg der Straf­ver­fol­gung leg­ten. Ein wei­te­rer Er­folgs­fak­tor wa­ren die Schwer­punkt­bil­dung bei Staats­an­walt­schaf­ten und Ge­rich­ten so­wie neue pro­zes­sua­le Mög­lich­kei­ten zur Straf­ver­fol­gung und Ver­mö­gens­ab­schöp­fung – oh­ne da­bei das Recht auf den ge­setz­li­chen Rich­ter oder das Rück­wir­kungs­ver­bot zu ver­let­zen. Auf Grund­la­ge die­ser Er­kennt­nis­se, er­fass­te und be­wer­te­te das Pro­jekt in ei­nem zwei­ten Schritt sämt­li­che Fäl­le der neu­en Pro­cu­raduría. Es wur­de deut­lich, dass – mit Aus­nah­me der Fäl­le Fu­ji­mo­ri-Mon­te­si­nos – die Fall­be­las­tung ganz über­wie­gend klei­ne und kleins­te Fäl­le von All­tags­kor­rup­ti­on aus­mach­te. Dies führ­te an­ge­sichts ei­ner sehr ho­hen Be­las­tung (15.496 Fäl­le) da­zu, dass die neue Pro­cu­raduría kaum da­zu in der La­ge war, pro­prio mo­tu- Er­mitt­lun­gen zu kom­ple­xen Fäl­len po­li­ti­scher Kor­rup­ti­on auf­zu­neh­men und sich ganz über­wie­gend auf die Ver­wal­tung von An­zei­gen Drit­ter be­schränk­te. Hin­zu ka­men kras­se De­fi­zi­te bei der Ver­mö­gens­ab­schöp­fung in den Fäl­len Fu­ji­mo­ri-Mon­te­si­nos. Auf die­ser Grund­la­ge ent­wi­ckel­te das Pro­jekt in ei­nem drit­ten, ab­schlie­ßen­den Schritt ein neu­es Mo­dell der Pro­cu­raduría, von dem vie­les in der spä­te­ren Pra­xis über­nom­men wur­de. Vor­ge­schla­gen wur­de ei­ne neue Or­ga­ni­sa­ti­onss­truk­tur, ba­sie­rend auf ei­nem neu­en Sys­tem von Fall­ka­te­go­ri­en, der In­for­ma­ti­ons­er­fas­sung, der stra­te­gi­schen Fal­l­aus­wahl so­wie der Er­mitt­lung und Pro­zess­füh­rung, ein­schließ­lich der Ver­mö­gens­ab­schöp­fung. Er­gän­zend da­zu sys­te­ma­ti­sier­te das Pro­jekt die Straf­tat­leh­re auf dem Ge­biet der Kor­rup­ti­on von Amts­trä­gern und erst­mals die ge­sam­te pe­rua­ni­sche Recht­spre­chung zu den ma­te­ri­ell-recht­li­chen und pro­zes­sua­len Grund­la­gen der Straf­ver­fol­gung auf die­sem Ge­biet.