Das Projekt untersucht rechtsvergleichend die gegenwärtig geltenden Regelungen zum Computerstrafrecht. Hierdurch sollen der aktuelle Stand der internationalen und nationalen Gesetzgebung zur Bekämpfung von Computerkriminalität ermittelt, "best practices" und alternative Bekämpfungsstrategien untersucht sowie Fragen der Rechtsharmonisierung geklärt werden.

Com­pu­ter­kri­mi­na­li­tät ist ein glo­ba­les Phä­no­men: Straf­ta­ten las­sen sich von je­dem Punkt der Er­de aus be­ge­hen und kön­nen ih­re Wir­kung jen­seits der ei­ge­nen Lan­des­gren­zen, über Kon­ti­nen­te hin­weg oder so­gar welt­weit ent­fal­ten. Die Ver­hin­de­rung und Ver­fol­gung sol­cher Hand­lun­gen setzt ins­be­son­de­re vor­aus, dass al­le ver­netz­ten Län­der mit­ein­an­der ko­ope­rie­ren und über die je­weils not­wen­di­gen recht­li­chen In­stru­men­te ver­fü­gen. Die so­ge­nann­te "Cy­ber­cri­me-Kon­ven­ti­on" des Eu­ro­pa­ra­tes aus dem Jahr 2001 ist das bis­lang ein­fluss­reichs­te in­ter­na­tio­na­le In­stru­ment auf die­sem Ge­biet, er­fasst aber in ih­rem ma­te­ri­el­len Gel­tungs­be­reich nur ei­ni­ge com­pu­ter­be­zo­ge­ne Straf­ta­ten und Rechts­fra­gen. Wei­te­re Pro­blem­be­rei­che wer­den von an­de­ren in­ter­na­tio­na­len In­stru­men­ten ge­re­gelt oder sind in­ter­na­tio­nal noch über­haupt nicht nor­miert.

Das Pro­jekt zielt in um­fas­sen­der Wei­se auf die ak­tu­el­len com­pu­ter­spe­zi­fi­schen Fra­gen des ma­te­ri­el­len Straf­rechts, des Straf­pro­zess­rechts so­wie ver­schie­de­ne Be­glei­ta­spek­te. Aus dem Be­reich des ma­te­ri­el­len Rechts wer­den ins­be­son­de­re die so­ge­nann­ten "CIA-De­lik­te" nä­her un­ter­sucht, die sich ge­gen die Ver­trau­lich­keit, In­te­gri­tät oder Ver­füg­bar­keit von Com­pu­ter­da­ten und -sys­te­men rich­ten; hin­zu kom­men wei­te­re com­pu­ter­be­zo­ge­ne Straf­ta­ten, der Be­reich der "il­le­ga­len In­hal­te" und der Ur­he­ber­rechts­ver­stö­ße, aber auch da­ten­schutz­recht­li­che Be­zü­ge und Grund­sät­ze der Pro­vi­der­ver­ant­wort­lich­keit. Im Ge­biet des Straf­pro­zess­rechts wer­den un­ter an­de­rem die com­pu­ter­spe­zi­fi­schen Zwangs­maß­nah­men ana­ly­siert so­wie Fra­gen des Be­weis­rechts oder der Vor­rats­da­ten­spei­che­rung. Als Be­gleit­fra­gen wer­den u.a. Rechts­hil­fe, ein­schlä­gi­ge Ju­ris­dik­ti­on oder ge­setz­lich an­ge­ord­ne­te Sperr­ver­fü­gun­gen an­ge­spro­chen.

Das Pro­jekt ver­folgt meh­re­re Zie­le: (1) Zu­nächst wird der ak­tu­el­le Stand der in­ter­na­tio­na­len Har­mo­ni­sie­rungs­in­stru­men­te ge­gen Com­pu­ter­kri­mi­na­li­tät ana­ly­siert. (2) So­dann wird rechts­ver­glei­chend un­ter­sucht, in­wie­weit die­se In­stru­men­te in aus­ge­wähl­ten Rechts­ord­nun­gen im­ple­men­tiert wur­den und wie die na­tio­na­len Re­ge­lun­gen von den in­ter­na­tio­na­len Vor­ga­ben und un­ter­ein­an­der ab­wei­chen. (3) Auf die­ser Grund­la­ge sol­len "best prac­ti­ce"-An­sät­ze so­wie al­ter­na­ti­ve Be­kämp­fungs­stra­te­gi­en ent­wi­ckelt wer­den. (4) Da die Har­mo­ni­sie­rung des Com­pu­ter­straf­rechts sehr un­ter­schied­li­che Be­rei­che be­trifft, wird das Pro­jekt dar­über hin­aus auch Fra­gen der Rechts­har­mo­ni­sie­rung er­for­schen, z.B. warum Rechts­har­mo­ni­sie­rung in ver­schie­de­nen Be­rei­chen un­ter­schied­lich er­folg­reich ist, wer die maß­geb­li­chen Ak­teu­re sind und in­wie­weit die Frag­men­tie­rung zahl­rei­cher in­ter­na­tio­na­ler Vor­ga­ben und na­tio­na­ler Re­ge­lun­gen zu Kol­li­sio­nen führt. Das Pro­jekt ist da­her nicht nur ein wich­ti­ger Bau­stein der For­schun­gen des In­sti­tuts zu den funk­tio­na­len Gren­zen des Straf­rechts, vor al­lem bei kom­ple­xer Kri­mi­na­li­tät, son­dern auch ein zen­tra­les Ele­ment sei­ner Ar­bei­ten zur Straf­rechts­in­te­gra­ti­on und ins­be­son­de­re zu ei­ner Theo­rie der Rechts­har­mo­ni­sie­rung.

Bis­her wur­de in ei­nem ers­ten Schritt ein um­fas­sen­der Über­blick über die in­ter­na­tio­na­len Har­mo­ni­sie­rungs­in­stru­men­te er­stellt. Die­ser ist An­la­ge des Fra­ge­bo­gens für die Lan­des­be­richt­er­stat­ter und wird Teil des ab­schlie­ßen­den Ge­ne­ral­be­richts sein. En­de 2009 gin­gen die (Teil-)Ent­wür­fe der ers­ten Lan­des­be­rich­te ein. Ge­gen­wär­tig wer­den die Lan­des­be­rich­te ver­voll­stän­digt und ein rechts­ver­glei­chen­der Quer­schnitt vor­be­rei­tet.

Das Pro­jekt ist Teil ei­nes Kon­gres­ses der In­ter­na­tio­nal Aca­de­my of Com­pa­ra­ti­ve Law, der Mit­te des Jah­res 2010 in Wa­shing­ton statt­ge­fun­den hat. Hier wur­den die vor­läu­fi­gen Er­geb­nis­se mit ei­ner brei­ten Fachöf­fent­lich­keit dis­ku­tiert wer­den. Der deut­sche Lan­des­be­richt so­wie der rechts­ver­glei­chen­de Quer­schnitt wer­den am In­sti­tut er­stellt. Ex­ter­ne Pro­jekt­mit­ar­bei­ter er­stel­len die üb­ri­gen Lan­des­be­rich­te. Ge­ne­ral­be­richt­er­stat­ter ist Prof. Sie­ber.