In vielerlei Hinsicht besteht bei den chinesischen Beweisverwertungsverboten Verbesserungsbedarf. Die Dissertation analysiert die wesentlichen Fallkonstellationen der Beweisverwertungsverbote und deren theoretische Durchdringung in Deutschland, den USA und China. Zweck und Kriterium der Beweisverwertungsverbote werden rechtsvergleichend herausgearbeitet und Reformansätze für das chinesische Recht entwickelt.

Re­form­vor­schlä­ge zu Be­weis­ver­wer­tungs­ver­bo­ten im chi­ne­si­schen Straf­ver­fah­ren sind bis­lang vor al­lem ver­glei­chend zur US-ame­ri­ka­ni­schen Rechts­ord­nung ent­wi­ckelt wor­den, nicht je­doch im Ver­gleich zu Deutsch­lands Re­ge­lung des Pro­blems. Die­se Lücke wird mit der vor­lie­gen­den Un­ter­su­chung ge­schlos­sen.

Me­tho­disch wer­den die zu ver­glei­chen­den Rechts­fra­gen mit­tels ei­ner funk­tio­na­len Rechts­ver­glei­chung an­hand über­ein­stim­men­der Sach­pro­ble­me in Deutsch­land, den USA und Chi­na iden­ti­fi­ziert. Ei­ne Aus­wahl kon­kre­ter Fäl­le ver­hilft da­zu, die aus ab­strak­ten nor­ma­ti­ven Re­ge­lun­gen fol­gen­den Un­ter­schie­de zwi­schen den drei Staa­ten kla­rer her­aus­zu­ar­bei­ten.

Die Rechts­la­ge in Deutsch­land, den USA und Chi­na wird in drei Lan­des­be­rich­ten dar­ge­stellt. Zu­nächst wer­den die Be­weis­ver­wer­tungs­ver­bo­te in ih­rer his­to­ri­schen Ent­wick­lung und im Hin­blick auf das je­wei­li­ge Pro­zess­mo­dell be­trach­tet. Dar­an schließt sich ei­ne Un­ter­su­chung der Sach­ver­hal­te, Theo­ri­en, Zwe­cke und Kri­te­ri­en der Be­weis­ver­wer­tungs­ver­bo­te so­wie ei­ne ver­glei­chen­de Dis­kus­si­on we­sent­li­cher Fra­ge­stel­lun­gen mit­tels kon­kre­ter Fall­kon­stel­la­tio­nen an. Im An­schluss an die Lan­des­be­rich­te er­folgt ei­ne rechts­ver­glei­chen­de Er­ör­te­rung der dar­in iden­ti­fi­zier­ten we­sent­li­chen Aspek­te, ins­be­son­de­re der Zwe­cke und Kri­te­ri­en der Be­weis­ver­wer­tungs­ver­bo­te. Im Rah­men ei­ner ab­schlie­ßen­den Be­wer­tung wer­den Re­for­man­sät­ze für Chi­na ent­wi­ckelt.

Die Un­ter­su­chung zeigt, dass die deut­schen Be­weis­ver­wer­tungs­ver­bo­te dem In­di­vi­dual­rechts­schutz die­nen, wäh­rend sie in den USA ei­ne Ab­schre­ckung ge­gen rechts­wid­ri­ge Er­mitt­lungs­maß­nah­men bezwe­cken. Der deut­sche In­di­vi­dual­rechts­schutz hängt da­bei mit ei­ner staat­li­chen Für­sor­ge­pflicht und Selbst­be­schrän­kung zu­sam­men. Der Ab­schre­ckungs­zweck in den USA ent­springt ei­nem his­to­risch be­ding­ten Miss­trau­en ge­gen­über Re­gie­rung und Po­li­zei und ist zu­dem ei­ne Re­ak­ti­on auf weit­ver­brei­te­te Fäl­le von Kor­rup­ti­on und Miss­brauch im Po­li­zei­we­sen. Das chi­ne­si­sche Recht hin­ge­gen stellt beim Um­gang mit Be­weis­ver­wer­tungs­ver­bo­ten die Ge­währ­leis­tung der ma­te­ri­el­len Wahr­heits­fin­dung in den Mit­tel­punkt. Dar­an zeigt sich, dass in Chi­na der ei­gent­li­che Sinn des Rechts­in­sti­tuts noch nicht er­fasst wird, da die An­er­ken­nung ei­nes Be­weis­ver­wer­tungs­ver­bots ge­ra­de ei­ne Be­schrän­kung der Wahr­heits­fin­dung be­deu­tet. An­ge­sichts der his­to­risch-ge­sell­schaft­li­chen Ent­wick­lung und des Pro­zess­mo­dells soll­te der Zweck der chi­ne­si­schen Be­weis­ver­wer­tungs­ver­bo­te je­doch stär­ker beim Schutz von In­di­vi­dual­rech­ten lie­gen.

In Be­zug auf die Kri­te­ri­en macht die deut­sche Recht­spre­chung Be­weis­ver­wer­tungs­ver­bo­te im We­sent­li­chen von ei­ner In­ter­es­sen­ab­wä­gung un­ter Be­trach­tung der Um­stän­de des Ein­zel­falls ab­hän­gig. Auch in den USA fin­den sich we­gen der dor­ti­gen Ein­zel­fall­recht­spre­chung kei­ne all­ge­mein gül­ti­gen Kri­te­ri­en. Die Recht­spre­chung nimmt häu­fig ein sog. Cost-be­ne­fit-ba­lan­cing vor, was ei­ner in­halt­lich re­du­zier­ten In­ter­es­sen­ab­wä­gung ent­spricht. In Chi­na rich­tet sich die Ver­wert­bar­keit vor al­lem nach ge­re­gel­ten ab­so­lu­ten Ver­wer­tungs­ver­bo­ten so­wie nach Re­ge­lun­gen zur nach­träg­li­chen Hei­lung von Ver­fah­rens­ver­stö­ßen, so­dass die Ver­wert­bar­keit ei­nes Be­weis­mit­tels ab­hän­gig von sei­ner Art rein me­cha­nisch be­stimmt wird. Die­se Vor­ge­hens­wei­se kann die Ge­rech­tig­keit im Ein­zel­fall nicht ge­währ­leis­ten. Die Un­ter­su­chung hat ge­zeigt, dass die dif­fe­ren­zie­ren­de In­ter­es­sen­ab­wä­gung, wie sie im deut­schen und an­satz­wei­se im ame­ri­ka­ni­schem Recht er­folgt, zu bes­se­ren Er­geb­nis­sen führt.