Nein heißt Nein – Vier Jahre Reform des Sexualstrafrechts © Baschi Bender/MPI-CSL

Seit 2016 gilt das neue Sexualstrafrecht mit dem Grundsatz „Nein heißt Nein“. Seitdem ist es bereits strafbar, wenn der Täter sexuelle Handlungen am Opfer gegen dessen erkennbaren Willen ausübt. Bis dahin war es für den Straftatbestand der sexuellen Nötigung und Vergewaltigung erforderlich, dass der Täter das Opfer entweder mit Gewalt oder mit schweren Drohungen oder durch Ausnutzen einer schutzlosen Lage dazu brachte, sexuelle Handlungen zu dulden. Die Reform gilt als erhebliche Verbesserung für den Schutz der sexuellen Selbstbestimmung.


Die Strafrechtsprofessorin Tatjana Hörnle beschäftigt sich schon seit vielen Jahren mit Fragen der Reform des Sexualstrafrechts. Im Podcast „Recht So?!“ des Bundesjustizministeriums blickt sie auf die vergangenen Jahre zurück.

Mit ihren vielen Regeln decke die neue Norm vielfältige Konstellationen ab, zum Beispiel wenn es darum geht, Opfer zu schützen, die nicht mehr in der Lage sind, ihren Willen zu äußern, sagt Tatjana Hörnle. Dies könne etwa der Fall sein, wenn das Opfer betäubt ist. Gleichzeitig könne man die Reform aber nur „als einen Teil einer größeren gesellschaftlichen Entwicklung“ sehen. Das deutsche Sexualstrafrecht nennt die Expertin einen „Flickenteppich“. Es fehle an einer wirklich systematischen, großen Reform.

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Tatjana Hörnle ist Direktorin am Max-Planck-Institut zur Erforschung von Kriminalität, Sicherheit und Recht, wo sie die Abteilung Strafrecht leitet. Zugleich ist sie Honorarprofessorin an der Humboldt-Universität zu Berlin.