Forschung auf der Bühne - Veranstaltungen im und mit dem Theater Freiburg © Theater Freiburg

Was kann Strafrecht angesichts von Gräueltaten, wie sie in Kriegen oder von Terrororganisationen und Unrechtsstaaten an der Bevölkerung begangen werden, leisten? Mit einer Podiumsdiskussion und der musikalischen Lesung A Song of Good and Evil bringt das Freiburger Max-Planck-Institut für ausländisches und internationales Strafrecht in seinem Jubiläumsjahr zentrale und aktuelle Fragen des internationalen Strafrechts auf die Bühne (...)


A Song of Good and Evil
Musikalische Lesung zum Nürnberger Hauptkriegsverbrecherprozess 1945–46
von und mit Philippe Sands, Katja Riemann, August Zirner u.a.
Gastspiel am Theater Freiburg, Uraufführung in deutscher Sprache
Fr. 25.11.2016 / 19.30 Uhr / Großes Haus // anschließend Publikumsgespräch mit allen Darstellern im Winterer Foyer

„A Song of Good and Evil“ von Philippe Sands zeichnet die Entwicklung des Völkerstrafrechts von seinen Ursprüngen bis in die Gegenwart nach: Die Juristen Hersch Lauterpacht und Raphael Lemkin setzten sich nach dem Zweiten Weltkrieg als Berater der Alliierten für den Schutz des Einzelnen wie der Gruppe ein. Die Gräueltaten der Nazis sollten nicht ungesühnt bleiben, sondern als „Verbrechen gegen die Menschlichkeit“ oder „Genozid“ geahndet werden können. Die Schicksale der beiden Protagonisten sind eng verwoben mit der Vita der dritten Hauptperson, des Angeklagten Hans Frank. Der ehemalige Rechtsanwalt Adolf Hitlers, später bekannt als „Schlächter von Polen“, wurde 1946 im Nürnberger Prozess zum Tod durch   den Strang verurteilt. Die neu geschaffene Rechtsgrundlage: Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Auf verschiedenen Seiten der Geschichte stehend, sind die drei Männer auf eigenartige Weise durch ihre persönliche Lebensgeschichte und die Liebe zur gleichen Musik verbunden.

„A Song of Good and Evil“ sucht mit Hilfe von Wort, Bild und Musik einen neuartigen Zugang zur Entstehungsgeschichte des modernen Völkerstrafrechts. Das Ensemble besteht aus international renommierten Künstlern und Musikern: Sprecher sind Katja Riemann, Philippe Sands und August Zirner. Begleitet werden sie von Bassbariton Laurent Naouri und Pianist Guillaume de Chassy, die Musik von Bach, Beethoven, Rachmaninoff, Paul Mizraki und Leonard Cohen interpretieren.  

Podiumsdiskussion Max-Planck-Forum
Untaten im Namen des Staates
Verbrechen gegen die Menschlichkeit als Aufgabe des Strafrechts
So. 20.11.2016 / 11.00–12.30 / Winterer Foyer / Eintritt frei [Zählkarten]

Allein die Frage, ob die Taten als Völkermord oder Verbrechen gegen die Menschlichkeit bezeichnet werden können, löst heftige Debatten aus. Und noch schwieriger ist es, angemessen auf solches Unrecht zu reagieren. Dabei spielt das Strafrecht eine entscheidende Rolle und stellt Rechtswissenschaftler vor große Herausforderungen. Denn wie können sich internationale Tribunale legitimieren? Welche Zwecke verfolgen sie? Taugt die Öffentlichkeit als moralische Instanz? Kriminologen, Psychologen und Historiker diskutieren die Bedingungen, die ein Ende der Gewalt ermöglichen.  

Auf dem Podium diskutieren:

Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Hans-Jörg Albrecht, Leiter der kriminologischen Abteilung und Direktor am Max-Planck-Institut für ausländisches und internationales Strafrecht;

Prof. emeritus Dr. Dr. h.c. mult. Albin Eser, ehemaliger Leiter der strafrechtlichen Abteilung und Direktor am Max-Planck-Institut für ausländisches und internationales Strafrecht, ad litem-Richter am Internationalen Strafgerichtshof für das ehemalige  Jugoslawien (2004–2006);

Prof. Dr. Jan Eckel, Lehrstuhl für Neuere Geschichte mit besonderer Berücksichtigung der Zeitgeschichte, Direktor des Seminars für Zeitgeschichte, Universität Tübingen;

Prof. Dr. Dr. Jan Kizilhan, Psychologe und Orientalist, Duale Hochschule Baden-Württemberg Villingen-Schwenningen, Berater der baden-württembergischen Landesregierung bei der Betreuung eines Flüchtlingssonderkontingents jesidischer Frauen;

Hildegard Uertz-Retzlaff, Vertreterin der Anklage u.a. in den Großverfahren gegen Slobodan Milošević und Radovan Karadžić vor dem Internationalen Strafgerichtshof für das ehemalige Jugoslawien (1995–2016).

Moderation: Esther Saoub, Freie Reporterin.